Es hat die ganze Nacht geregnet….

Wenigstens ist es zum Frühstück trocken und auch nicht kalt – eigentlich eigenartig, wenn man bedenkt, dass wir auch heute wieder auf 2348 m üNN sind! So langsam hat man sich an die Höhe gewöhnt, es ist ja mittlerweile selten, dass wir unter 2000 m kommen!

Obwohl es trocken ist starten wir in Regenklamotten – wir wissen ja, wie schnell sich hier oben das Wetter drehen kann. Wir fahren bei aufgelockerter Bewölkung los – heute liegen ca. 370 km vor uns, ein Teilstück davon auf dem Silver Thread Scenic Byway.

Am Anfang kommen wir uns mit den Regenklamotten noch etwas „overdressed“ vor

Durango Gunnison 1

Doch das ändert sich schnell – kaum dass wir losfahren und an Höhe gewinnen, fängt es wieder an zu regnen….

In der 2700 m hoch gelegenen Grubenstadt „Creede“ halten wir für eine Mittagspause an. Eine schöne Kleinstadt in den Bergen mit gut 400 Einwohnern! Das ist übrigens typisch für die ganze Gegend der letzten Tage – Städte haben selten mehr als 3000 Einwohner, die kleinste Stadt zählte 15 Einwohner!

Leider hört der Regen nicht auf, wir machen uns aber tapfer auf den Weg nach Gunnison. Auf halber Strecke tanken wir an an einer urigen Tankstelle – meine türkise Roadking schaltet sich komisch, für einen Moment hatte ich das Gefühl, dass der Schalthebel beim Zurückschalten einen größeren Weg als sonst zurücklegt.

Na ja, was soll ich sagen – ca. 5 km weiter, ließ sich die Road King gar nicht mehr schalten… Aus dem Mittelfeld im dritten Gang mit Warnblinker nach vorne gefahren, alle ausgebremst und rechts rangefahren – großes Diskutieren, Rütteln und Zerren am Schalthebel – es hilft nichts, das Ding bleibt lose und dreht hohl auf der Welle. Auch Panzertape und Kabelbinder helfen nicht weiter. Wir haben noch ca. 30 Meilen bis zu unserem heutigen Hotel – allerdings liegt noch ein Pass vor uns…

Wir ziehen am Schaltgestänge von Hand und probieren – erster Gang… zweiter Gang… dritter Gang! Wat mut dat mut – der Dritte scheint uns die Vernunftlösung zu sein. Ich fahre voraus und bestimme das Tempo – bei 3800 U/min, das entspricht knapp 60 mph, höre ich auf – nicht dass wir noch einen Motorschaden riskieren…

Alles geht gut und wir kommen fast planmäßig am Hotel in

an 🙂

Wir wollen nach dem Schaltgestänge schauen und fragen an der Rezeption vorsichtig nach Werkzeug – die freundliche Lady am Front Desk sucht in allen Schubladen und findet…. einen Inbusschlüsselsatz! Raus an’s Mopped und….man glaubt es kaum, wir sind im Land der zölligen Schrauben und die Lady hat einen metrischen Inbusschlüsselsatz….!

Die Handynummer vom Eagle Rider Manager in Denver haben wir zum Glück dabei – wir rufen an und erklären was los ist. Erster AHA-Effekt: ich muss ihm erstmal erklären, dass das defekte Mopped nicht das ist, was wir in Denver mitgenommen haben, sondern dass das mit einem platten Reifen in Jackson steht, und das Mopped aus Jackson, nun mit einem defekten Schaltgestänge oder Schaltwelle in Gunnison steht…..

„Call me back in 15 minutes…“ sagt Denny – gesagt, getan: „We’ll bring you a new bike tonight between 9:30 and 10:30 pm!“

Respekt! Das hätten wir nicht erwartet! Alles läuft nach Plan und wir gehen pünktlich im Restaurant nebenan essen 🙂

Das Essen war gut, der Abend lustig und der Service von ganz besonderer Art: viele haben Jacken und lange Unterwäsche im Restaurant an, weil der Raum von oben mit vier Klimaanlagenschächten belüftet wird – wir fühlen uns wie Frischfleisch im Kühlraum….. Rolf steht nach über einer Stunde ohne Bier auf und geht, die letzten haben ihre Getränke nach 90 Minuten – die Bedienung war super nett und freundlich, aber irgendwie nicht vom Fach 🙂 Das Essen kommt dann für alle gleichzeitig und schmeckt allen – eben ein lustiger Abend 🙂

Anyway: pünktlich nach dem Essen um kurz vor 22 Uhr fährt Eagle Rider mit Pickup und Anhänger auf den Hotelparkplatz direkt vor Zimmer Nummer 30: mein drittes Mopped steht fahrbereit vor der Tür und die türkisfarbene Road King verschwindet in der Dunkelheit der Nacht…

Wenn ich den freiwilligen Tausch mit der Street Glide mitrechne, mein viertes Mopped auf dieser Tour….

Zwei Tage muss die Neue Road King halten – das ist nicht zuviel verlangt, oder?

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